You wouldn’t steal a car
Ich sitze in einem Reisebus, höre Eminem auf mit meinem iPhone und verfasse auf selbigem mithilfe der echt inzwischen coolen WordPress-App diesen Beitrag. Und ja, das neue Eminem-Album hab’ ich sogar im Einzelhandel erworben. Für ca. zwei Drittel meines Taschengeldes, das ich so pro Monat bekomme. Hat sich aber auch gelohnt und ich kann die Stimme von Cameron Diaz irgendwie überspielen. Schließlich gucken wir Love Vegas. Wer die DVD mitgenommen hat gehört ja auch irgendwie bestraft. Und ist das schon öffentliche Aufführung hier im Reisebus? Aber das interessiert ja eh keinen. Aber meinen Kommentar zum “You wouldn’t steal a car”-Antipiraterie-Spot beim Einlegen der DVD, der wurde in der Luft zerrissen. Dabei hatte ich nur angemerkt, dass der Vergleich ziemlich hinkt. Und dass das Auto ja anschließend weg wäre aber der Film ja nur eine weitere Kopie. Da wurde mir an den Kopf geworfen wie ich so etwas als Künstler nur sagen könnte. Und dass Raubkopien den Labels und Konzernen ja keinen finanziellen Schaden bringen würden der sie wirklich schädigt sondern vor allem den Künstlern. Ehrlich gesagt habe ich dann dazu auch keine fundierten Informationen und musste dann auch zurückrudern. Aber dann hab’ ich mir Gedanken gemacht, wie man das Urheberrecht denn so gestalten könnte, dass die Künstler von ihrer Arbeit leben können, die Verbraucher sich gleichzeitig aber nicht dazu gedrängt fühlen müssen die Musik zu “rauben” (eine meiner Meinung nach übrigens krasse Beschreibung für das nach geltendem Recht nicht erlaubte Kopieren einer Datei). Also kommen wir am Besten zurück zum Anfang. Zu meinem Taschengeld. Das ist nämlich zum Großteil nun Futsch. Ich kann also diesen Monat gar nicht mehr mehr Geld für urheberrechtlich geschützte Inhalte ausgeben. Macht es jetzt noch einen Unterschied wenn ich mir nachdem ich so von Eminem begeistert bin “8 Mile” runterlade? Kaufen kann ich ihn mir eh nicht mehr; dafür hab’ ich zu wenig Geld. Es scheint also gar kein so doofer Vorschlag zu sein, diese Kulturflatrate die ich bis jetzt nur als Buzzword wahrgenommen habe. Wenn ich mich also darauf einige jeden Monat zwei Drittel meines Taschengeldes in Richtung Content-Industrie zu schieben und dafür Musik, Filme, E-Books und so ohne Ende und legal konsumieren dürfte, würden die Einnahmen der Künstler insgesamt um keinen Cent verringert werden. Und ich begehe keine Straftaten. Problem gelöst?

Die Contentmafia hat die letzten 10 – 15 Jahre Internetentwicklung völlig verschlafen. Die haben jetzt das Problem, dass sie ihr Geschäftsmodell aus der analogen Welt, in der das eigentliche Gut, nämlich Musik und/oder Film auf einem Trägermedium aufgebracht sind, in die digitale Welt nicht übertragbar ist. Dass das nicht funktioniert, weil das Internet das eigentliche Gut auch ohne Materialisierung vom Ersteller zum Konsumenten führt, ist aber deren Problem.
Ich sehe nicht, weshalb ich als Bürger, der deren Copyright-Musik eigentlich gar nicht nutzen mag, nun eine Zwangabgabe entrichten soll. Das Verkacken und das Problem liegt nicht bei mir, sondern bei der Contentmafia – DIE sollen sich eine Lösung einfallen lassen. Für mich wäre diese Zwangsabgabe eine reine Zwangsabgabe. Da tröstet mich auch der schmusige Name »Kulturflatrate« nicht drüber hinweg, dass mir da jemand Geld wegnimmt, ohne dass ich seine Ware überhaupt jemals haben wollte.
Du hast Deinen Artikel ja im Juli geschrieben – das ist ja schon was her. Wie denkst Du inzwischen über die Kulturflatrate?
Gruß, Peter :3
Deine Einwände sind evident. Mir fällt nur keine weitere Option ein.
Das Hauptproblem liegt eigentlich an der Übergabe der Rechte an der Musik von den Künstlern zu den großen Konzernen. Somit werden die Konzerne zu kompletten Rechteinhabern und nicht nur zu Firmen die z.B. den Vertrieb und Herstellung von Datenträgern übernehmen. Inwieweit mein Gedankenspiel sich nun auf die Realität übertragen lässt weiß ich nicht. Vielen Dank jedenfalls, dass du diese eindeutigen Schwachpunkte der Kulturflatrate/Zwangsabgabe aufgezeigt hast.